Warum Tiere große Meister darin sind, uns aus unserer Isolation herauszuholen

Gestern habe ich mit meiner Schwester telefoniert und sie hat mir davon berichtet, wie deprimierend es für sie ist, in der aktuellen Corona-Lage, diese noch nie dagewesene Distanz zwischen den Menschen zu spüren, denen man im Alltag begegnet. Etwa beim Einkaufen oder auf der Straße – einige von ihnen gehen auf Abstand, sind misstrauisch und wirken ablehnend, wenn man zu nahe kommt. Diese Art von emotionaler Distanz zwischen uns Menschen hat es so noch nie gegeben und wir beginnen uns plötzlich abgetrennt zu fühlen. Sogar unsere Freunde nehmen Abstand, viele treibt die Angst in den Rückzug. Wir fühlen uns isoliert von einer Gemeinschaft.

Doch was liegt eigentlich in Wirklichkeit hinter diesem Gefühl der Isolation verborgen?

Isolation entspringt dem Prinzip der Individualität, des Anders-Seins. Isolation entsteht, wenn dieses Prinzip Überhand nimmt und wir somit getrennt werden von einer Einheit. Unser Leben besteht aus zwei Kern-Polen: Der Einheit und der Individualität. Diese beiden Pole existieren gleichzeitig und nebeneinander. Unser Universum bewegt sich ständig in der Dualität zwischen Einheit und Individualisierung. Diese beiden Pole stoßen sich ab – können aber auch nicht ohne einander. Stelle dir einmal vor, es gäbe keine Individualität, sondern nur die Einheit. Dann wäre alles gleich, es gäbe keine unterschiedlichen Farben, Formen und Wege, uns in unserer individuellen Persönlichkeit zu entfalten. Jeder wäre gleich, alles wäre gleich, nichts wäre unterschiedlich und interessant. Dann wäre ein farbenfrohes Leben so wie wir es hier auf der Erde kennen und leben nicht möglich.

Oder stelle dir einmal vor, es gäbe nur die Individualität. Dann gäbe es keine Gemeinsamkeiten, keine Gemeinschaft, keinen Frieden, denn jeder würde für sich stehen und seine Einzigartigkeit ausleben wollen auf Kosten anderer. Auch dies wäre nicht möglich, ja sogar fatal: Denn eine entscheidenden Punkt rückbezogen auf die Isolation muss man hier wirklich ernst nehmen:

Überwiegt die Individualität gegenüber der Einheit, dann ist dieser Zustand ein Nährboden für Krieg. Krieg im Kleinen wie im Großen. Dann entsteht Bewertung, Verurteilung, Benennung und Abspaltung. Dann entsteht Trennung und Kampf.

Es ist also wichtig in unserer Welt, dass der Pol der Einheit immer etwas mehr überwiegt als der Pol der Individualität – welche übrigens auch sehr essentiell für uns ist – anders als manche Esoteriker behaupten, man müsse das Ego, also die Persönlichkeit, vollkommen vernichten. Dies ist der falsche Weg, denn die Individualität gehört, wie eben schon erwähnt, zu unserem Leben dazu und ist sehr wichtig für uns. Sie darf nur nicht größer werden als die Einheit und sollte stets dem Herzen dienen und nicht umgekehrt.

Wonach wir uns  wirklich sehnen

Kommen wir also zurück zu der aktuellen Lage und unserem Gefühl der Isolation. Wir wissen jetzt, dass die Isolation dem Prinzip von einem Zuviel an Individualität entspringt.

Die Menschen tragen Angst und Sorge in sich, wollen sozusagen ihren individuellen Bedürfnissen mehr Raum geben, als dem Bedürfnis liebevoll und offen zu sein und die Nähe zu suchen. Dies ist auch völlig gerechtfertigt und okay. Wir müssen nur verstehen, dass dieses Bedürfnis der Menschen nach Individualität gegenüber der Einheit gerade so stark überwiegt, wie wir es lange nicht erlebt haben. Es kommt einem fast so vor, als kämpfe jeder für sich selbst ums Überleben.

Wir sehnen uns also nach Einheit, Nähe und Intimität – nach der Quelle des Lebens.

Und wenn wir diese Einheit gerade nicht durch unsere Mitmenschen erfahren können, wo können wir dieses Einheitsgefühl, welches die tiefste Sehnsucht in uns allen seit Beginn der Zeit an ist, zu spüren bekommen?

Die Quelle der Einheit liegt überall – doch am meisten können wir uns mit ihr verbinden, dort wo Wir frei sind von bildern

Projektionen sind Übertragungen unserer inneren Themen, Ängsten oder Sorgen auf andere Menschen. Diese können in beiden Richtungen verlaufen. Sie verhindern oft die Einheit zwischen den beiden Menschen wirklich zu spüren. Natürlich ist es möglich, mit unseren Mitmenschen in tiefe Einheit zu tauchen, keine Frage, jedoch ist es manchmal herausfordernd, da wir uns im Alltag häufig triggern.

Mit Tieren oder Pflanzen ist es eine andere Sache. In ihnen steckt ebenfalls das blühende Leben – also die Quelle all unseren Seins. Zu einem gewissen Teil sind wir also eins mit den Tieren und Pflanzen. Wir sind eine Einheit. Wir fühlen uns auf einer Ebene tief verbunden.

Nicht umsonst fühlen wir uns, wenn wir in der Natur sind, so glücklich und verbunden. In der Natur fühlen wir uns niemals isoliert. Probiere es einmal aus! Gehe in die Natur wenn du dich isoliert fühlst und spüre was sie mit dir macht.

Warum Tiere unsere Helden der Verbundenheit sind

Schlussendlich möchte ich darauf eingehen, warum wir uns gerade mit Tieren so sehr verbunden fühlen und im Kontakt mit ihnen unser Gefühl der Isolation schnell schwindet:

Anders als bei Pflanzen übertragen sich die Verhaltensweisen der Tiere auf den Menschen und sind in der Lage bestimmte Gefühle bei ihm auszulösen. Es besteht eine besondere emotionale Bindung zwischen Mensch und Tier, die Biophilie, welche es uns ermöglicht, eine tiefe innere Anziehung und nonverbale Kommunikation zu entwickeln, das Tier als ein „Du“, also eine eigenständige Person wahrzunehmen und zu respektieren und es als Partner zu erkennen. Tiere reagieren auf uns, sie sind also offen, eine gemeinsame Kommunikations-, und Beziehungsebene zu schaffen. Gerade deshalb werden Tiere auch im therapeutischen-, und pädagogischen Bereich eingesetzt, denn sie können verbindend und beruhigend auf den Menschen wirken. Wenn man die Bindungstheorie näher betrachtet, dann ist zu erkennen, dass sich positive Bindungserfahrungen mit einem Tier mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die soziale Situation des Menschen auswirken.

Beziehung ohne Wertung und Urteil

Zu guter Letzt: Eine Verbindung mit einem Tier aufzubauen tut uns deshalb so gut, weil ein Tier nicht kognitiv wertet und verurteilt. Tiere lieben uns bedingungslos so wie wir sind. Sie stellen keine Erwartungen an uns und haben keine Vorurteile. Sie kommunizieren stets in absoluter Ehrlichkeit und situationsbezogen. Projektionen auf uns sind nicht gegeben. Eine echte Verbindung ist möglich, ohne die Bilder und Erwartungen, die üblicherweise im Kontakt mit Menschen auf uns gelegt werden. Wir können so sein wie wir sind und werden in echter Liebe angenommen.

Quellen: grin.com/beziehung-mensch-und-tier // fromm-online.org/biophilie-liebe-zum-lebendigen-biophilie

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